Krankenhauskonzerne

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Was ist los im Gesundheitswesen?

Krankenhausschließung in Riedlingen und in ländlichen Gebieten, Verkäufe kirchlicher Häuser in Oberhausen, Duisburg, Kamenz oder Flensburg - was ist los im deutschen Gesundheitswesen? Frank Plasberg in „Hart aber fair“ gab darauf gestern Abend leider keine Antwort ...

Korrespondenz aus Duisburg

Zuletzt suggerierte die Bertelsmann-Stiftung, dass Deutschland zu viele Krankenhäuser hätte und mindestens 600 geschlossen werden könnten. So funktioniert Meinungsmanipulation. Seitdem vergeht kein Tag, an dem diese Studie nicht irgendwo zitiert - und ein enormer internationaler Konzentrationsprozess des Kapitals vorbereitet wird. Hier geht es weder um Heilung, Rettung von Menschenleben oder gar die Bündelung von Fachkompetenzen im Sinne einer besseren Versorgung. Hier geht es lediglich darum, dem tendenziellen Fall der Profitrate der internationalen Übermonopole im Gesundheitsbereich entgegen zu wirken.

Zu Beginn einer Weltwirtschaftskrise ...

Das Gesundheitswesen ist seit Anfang der 1990er-Jahre zu einer wichtigen Anlagemöglichkeit internationaler Monopole für ihr überschüssiges bzw. überakkumuliertes Kapital geworden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich gerade zum Beginn einer neuen Weltwirtschaftskrise, die vom Wesen her eine Kapital-Überproduktionskrise ist, Verkäufe, Fusionen bis hin zu Schließungen im Gesundheitswesen massiv häufen.

Bertelsmann-Stiftungs-Chefin sitzt im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG

Auftraggeber der oben genannten Studie war die Bertelsmann-Stiftung. Zufällig sitzt Brigitte Mohn sowohl im Vorstand eben dieser Bertelsmann-Stiftung - wie auch im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Der Titel der Studie: „Zukünftige Krankenhausversorgung – Simulation und Analyse einer Neustrukturierung der Krankenhausversorgung am Beispiel einer Versorgungsregion in Nordrhein-Westfalen“ verspricht viel.

 

Brigitte Mohn hat vorgeblich nur den Patienten im Blick: „Die Neuordnung der Krankenhauslandschaft ist eine Frage der Patientensicherheit und muss vor allem das Ziel verfolgen, die Versorgungsqualität zu verbessern.“ Klassisches Green- oder in dem Fall besser Health-Washing, wenn man bedenkt, dass der Jahresumsatz der Rhön-Klinikum AG zuletzt über eine Milliarde Euro, der Gewinn sogar über 51 Millionen Euro betrug. Mehr als ein Viertel der Rhön-Anteile hält der noch größere private Klinikbetreiber Asklepios (Hamburg, 3,3 Milliarden Euro Umsatz). Die Studie empfiehlt die Schließung kleinerer – meist kommunaler – Krankenhäuser, zugunsten größerer und besser ausgestatteter Kliniken. Davon würden eindeutig die Privatbetreiber profitieren. Ihre Häuser entsprechen meist den in der Bertelsmann-Studie angesprochenen Größenverhältnissen. Nicht zuletzt „untersucht“ die Studie nichts anderes als wie viele Krankenhäuser innerhalb von 30 Minuten erreicht werden können. Das reicht in den Augen der Monopolvertreter - bei einem Herzinfarkt aber wohl kaum jemandem!

 

Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen sind auch verunsichert von der Größenordnung der Verkäufe, wie zum Beispiel der Malteser. Um so wichtiger, dass sich in vielen Städten zu Recht überparteiliche Bündnisse, außer ver.di-Gewerkschaftern auch aus Parteien, Einzelpersonen und Angehörige, bilden, die gemeinsam um den Erhalt der Krankenhäuser kämpfen! Gerade Notaufnahmen müssen ausgebaut und die flächendeckende Versorgung - zum Beispiel durch den Ausbau von Polikliniken - verbessert werden.