Bochum

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"Was kümmert mich mein Vertrag von gestern?"

"Offensiv", die Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit, hat am 13. November ihr Flugblatt Nr. 94 herausgegeben. "Rote Fahne News" dokumentiert daraus Auszüge des Artikels "Was kümmert mich mein Vertrag von gestern?":

"Offensiv"

"Beschäftigungssichernde Investitionen in Milliardenhöhe" hatten PSA/Opel im sogenannten "Zukunftstarifvertrag" von 2018 zugesagt, damit wir unser tarifliches Zusatzgeld (1.500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr bis 2023) hergeben. Unser Geld haben sie ja bekommen und was ist sonst so passiert?

 

In Eisenach drohte der Werksleiter aktuell mit der Schließung, wenn die Kollegen nicht bereit sind, demnächst auch jeden Samstag auf Früh- und Spätschicht zu malochen. Der Anlauf vom Grandland ist katastrophal, weil die technischen Anlagen veraltet und daher ungeeignet sind. "Beschäftigungssichernde Investitionen?" Fehlanzeige!

 

In Rüsselsheim wird noch mindestens ein Jahr lang Kurzarbeit gefahren, weil der Astra erst in 2021 kommen soll. Stattdessen betriebsbedingte Kündigungen im ITEZ. Keine Perspektiven für TuZ und Prototypenbau. "Beschäftigungssichernde Investitionen?" Fehlanzeige!

 

Und bei uns? Für eine Handvoll Dollar sollen die Rampen umgebaut werden, um für die Distrigo-Hubs demnächst auch Sprinter beladen zu können. Um aber als Zentrallager künftig die Distrigo-Hubs tatsächlich zu versorgen, sollen wir jetzt nochmal verzichten! Opel hat IG Metall und Betriebsrat offiziell zu "Sondierungsgesprächen" aufgefordert, um uns die nächsten Einschnitte abzupressen.

 

"Aber wir haben doch einen Vertrag bis 2023 - den sollen sie doch erstmal erfüllen!" fordern viele Kollegen verständlicherweise. Das meinen auch die Verantwortlichen in unserer IG Metall, wie Ulrike Hölter auf der letzten Betriebsversammlung. Sie sagen aber auch: "Wenn Opel uns Sicherheit über 2023 hinaus anbietet, dann können wir darüber reden!"

 

Aber wir wissen doch genau, dass PSA/Opel keinen Vertrag bis zu Ende erfüllt. Sobald wir verzichtet haben, halten sie schon wieder die Hand auf! So war es beim "Sozialtarifvertrag" 2014, der noch bis Ende 2020 läuft. So ist es jetzt beim "Zukunftstarifvertrag", der bis Mitte 2023 läuft. Und so würde es auch beim nächsten Erpresser-Vertrag sein!

 

Zu Recht haben die IG-Metall-Vertreter gegen die fehlenden Investitionen protestiert und gemutmaßt, dass hier auch die Fusion mit FIAT/Chrysler dahinter steckt. Für die Schaffung des dann viertgrößten Automonopols der Welt und eine weltmarktbeherrschende Stellung vor allem bei der Elektromobilität sollen wir also wieder bluten - erst recht jetzt, wo die Weltwirtschaft in die nächste Krise abstürzt. Trotz rückläufiger Märkte und echter Einbrüche wie in China meldet PSA Rekordgewinne. Woher kommen die denn? Doch nur aus unserer Arbeit!

 

Rettet das unsere Arbeitsplätze? Nein, niemals. Aber es soll die Profite von denen sichern, die sich an unserer Arbeit bereichern: die Familie Peugeot, der französische Staat, der chinesische Autokonzern Dongfeng und so weiter. Dass wir einem weiteren Verzicht niemals zustimmen  dürfen, liegt also auf der Hand!

 

Was den "Zukunftstarifvertrag" vom letzten Jahr angeht, kann es uns und der IG Metall aber doch nicht um seine Umsetzung gehen. Im Gegenteil: Er war von vornherein Betrug und muss sofort gekündigt werden!"