Arbeitsgericht Stuttgart

Arbeitsgericht Stuttgart

Daimler geriet auf die Anklagebank!

31 Kolleginnen und Kollegen, seine Frau, sowie weitere Freunde des Solidaritätskreises waren zum Prozess am 27. November gekommen, um einem von Daimler gekündigten Kollegen den Rücken zu stärken.

Korrespondenz aus Stuttgart

Der Richter machte gleich zu Beginn des Prozesses gegen die Kündigung des Kollegen klar: Wenn die von Daimler behauptete dreifache Körperverletzung stimme, dann sei die fristlose Kündigung rechtens. Heute gehe es deshalb um das Beweisverfahren, was am 7. März vorgefallen sei, weshalb er vier Zeugen der Firma geladen habe.¹

 

Zum Vorgang: Der Kollege machte eine Arbeit, die er zuletzt ein halbes Jahr zuvor ausgeübt hatte. Dabei montierte er ein Teil falsch. Der Systemführer stellte ihn sehr rüde und laut zur Rede, weshalb die Auseinandersetzung eskalierte. Der Kollege entschuldigte sich noch am gleichen Tag dafür, dass er sich zu aggressiven Gesten und einer angedeuteten Ohrfeige hinreißen ließ. Der Betriebsrat hat der Kündigung widersprochen, auch weil diese Maßnahme unverhältnismäßig hart ist; nach 21 Jahren Betriebszugehörigkeit, ohne Abmahnungen und der Existenzbedrohung einer sechsköpfigen Familie.

"Zubodengehen" war eine Schwalbe

Bei der Befragung verwickelte sich der junge, im schicken Mantel und Anzug gekleidete Systemführer, in Widersprüche: die angebliche Kopfnuss des Kollegen hat niemand gesehen; das darauf folgende „Zubodengehen“ des Systemführers kann als „Schwalbe“ gewertet werden, die den Kollegen noch mehr provozierte. Ein anderer Zeuge bestätigte auf Nachfrage des Kollegen den Kasernenton des Systemführers, und dass sie schon zuvor Auseinandersetzungen mit diesem hatten.

 

Es war beeindruckend, wie in der Prozessführung solche Widersprüche aufgedeckt wurden und so die Regie der Daimler-Seite durchkreuzt wurde, die Vorgänge isoliert von der Vorgeschichte und verschärften Ausbeutung der Arbeiter im „Vorzeigewerk“ Cannstatt zu behandeln.

Prozess ist auch als Einschüchterung für die ganze Belegschaft gedacht

Bei der Vor- und Nachbesprechung haben verschiedene Prozessbesucher deutlich gemacht, dass die Kündigung eines kämpferischen Kollegen auch als Einschüchterung aller anderen gelten soll – und das in Zeiten, wo Daimler eine härtere Gangart gegen die Belegschaft einschlägt.

 

Es ist deshalb wichtig, dass der Kollege auch beim Fortsetzungstermin am Montag, 13. Januar, 14 Uhr, vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht, Johannesstraße 86, die Unterstützung bekommt!