Automobilarbeiterkonferenz

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Südafrika: "So leben und kämpfen wir im Township Smiling Valley"

Vom 19. bis 23. Februar 2020 findet in Vereeniging (nahe Johannesburg) in Südafrika die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz (IAC) statt. Die Vorbereitungen laufen derzeit auf Hochtouren.

Von Marikana-Vorstand
Südafrika: "So leben und kämpfen wir im Township Smiling Valley"
Die Frauen aus Smiling Valley beim Protest. Vorne: Gloria. Rechts daneben: Nobantu (rf-foto)

Auf Arbeiterversammlungen wird über die IAC diskutiert, das auf Englisch angebotene Buch "Was bleibt" über den zehnjährigen Kampf der Bochumer Opelaner stößt auf großes Interesse. Viele freuen sich auf den Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern aus aller Welt. Frauenaktivistinnen engangieren sich gemeinsam mit den Männern in der Vorbereitung. Internationale Brigadistinnen und Brigadisten helfen ebenfalls dabei.

 

Bei ihrem Aufenthalt als Brigadistin hatte eine Vertreterin des Vorstands der Deutsch-Südafrikanischen Freundschaftsgesellschaft „Marikana“ die Gelegenheit, ein Interview mit Frauen eines kämpferischen Stadtteilkomitees in Smiling Valley zu machen. Smiling Valley ist eine wilde Siedlung am Rande des Townships Mdantsane bei East London.

 

Gloria, Nobantu und Flacki berichten über ihr Leben und den mutigen und ausdauernden Kampf in Smiling Valley (Auszüge):

 

Nobantu: Das Township Smiling Valley gibt es seit 1994. Dort wohnen etwa 1.000 Menschen, die sich das Land genommen und ihre Shacks (einfache Hütten aus Wellblech) darauf gebaut haben. Zuerst hatten wir überhaupt kein Wasser, keinen Strom und keine Toiletten.

 

Gloria: Seit 2016 haben wir aufgrund eines Kampfes mit der Stadtverwaltung Wasser bekommen. Aber nicht für jedes Haus. Wir müssen uns das Wasser mit Eimern von einer etwa zwei Kilometer entfernten Wasserstelle holen. Ihr könnt euch denken, wie mühselig das ist.

 

Flacki: Aber das sind nicht unsere einzigen Probleme. Es gibt keine Schule und kein Krankenhaus. Die Kinder haben einen langen Weg zur Schule durch den Busch. ...

 

Gloria: Ein weiteres Problem ist das der Hygiene. Die einfachen Toiletten ohne Wasser ziehen natürlich Mücken und anderes Viehzeug an. Dadurch werden Krankheiten übertragen. Vor allem die Kinder leiden darunter. Viele Kinder haben auch Krätze. ...

 

Marikana-Vertreterin: Wie habt ihr bisher dagegen gekämpft?

 

Gloria: Wir organisieren die Menschen in der Gemeinde. ... Wir zogen in einem friedlichen Marsch zur Stadtverwaltung und übergaben ein Memorandum. ... Bisher gab es keine Antwort. ...

 

Nobantu: Für nächste Woche planen wir ein Meeting mit der Gemeinde. ...

 

Gloria: Das Ziel des Meetings ist, zu klären, wie wir unseren Forderungen im nächsten Jahr Nachdruck verleihen können. Das wird dann demokratisch abgestimmt. Der Vorstand unseres Komitees, in dem auch Nobantu und ich mitarbeiten, hat entschieden, auch andere Organisationen außer der CPSA(ML)1, die im Komitee bereits vertreten ist, zur Unterstützung einzuladen. Zum Beispiel die EFF (Economic Freedom Fighters), den PAC (Panafrican Congress) und auch den ANC2, weil man mit den Mitgliedern zusammenarbeiten muss. Auch die Frauenorganisation "Abanqobi - women together" und die südafrikanisch-deutsche Freundschaftsgesellschaft Marikana unterstützen das.

 

Marikana-Vertreterin: Könnt ihr uns etwas über eure Vorstandsarbeit berichten?

 

Nobantu: Der Vorstand organisiert die Kämpfe. Wir machen den Menschen klar, dass sie für ihre Rechte kämpfen müssen. ...

 

Gloria: Wir sprechen auch darüber, dass man im Kapitalismus immer kämpfen muss und dass der Kampf gegen die gesamte Ausbeutung und Unterdrückung geführt werden muss, bis wir den Sozialismus erreicht haben, wo es keine Ausbeutung und Unterdrückung der Massen mehr gibt.

 

Marikana-Vertreterin: Wie könntet ihr euch eine Zusammenarbeit mit der deutsch-südafrikanischen Freundschaftsgesellschaft Marikana vorstellen?

 

Gloria: Das Wichtigste ist, dass ihr die Zustände in Smiling Valley in Deutschland bekanntmacht. ... Schön wäre es, wenn wir ein gemeinsames Hilfsprojekt hätten. Damit die Menschen hier sehen, dass sie in ihrem Kampf nicht alleine stehen. Die internationale Solidarität ist so wichtig für uns. Wir haben in Smiling Valley schon etwa 50 Mitglieder für die südafrikanisch-deutsche Freundschaftsgesellschaft Marikana gewonnen, weil die Menschen den Gedanken der internationalen Solidarität verstehen.

 

Nobantu: Vielleicht könnt ihr auch Spenden und Medikamente sammeln. Wir können zum Beispiel auch ein kleines Haus brauchen mit einem Stromgenerator, wo man Medikamente kühlen kann. Dort könnte man die Menschen auch beraten.

 

Marikana-Vertreterin: Vielen Dank für das Interview!

 

Der Marikana-Vorstand in Deutschland hat beschlossen, den Kampf des Stadtteilkomitees für bessere Lebensbedingungen mit Informationen, Geld- und Sachspenden zu unterstützen. Das wird ein nächster Schwerpunkt, nach der Unterstützung der IAC in Südafrika. Als Sachspenden werden in Südafrika zum Beispiel Brillen und Brillengestelle benötigt, ausgemusterte Handys (mit intaktem Akku und Ladekabel) oder Powerbanks, auch um langanhaltende Stromausfälle zu überbrücken.

 

Hier gibt es alle Informationen über die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz