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Erdogans Träume vom "Global Player" auf dem Automarkt

Medienwirksam präsentierte der faschistische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am 27. Dezember in einer pompösen Live-Show in staatlich gelenkten Sendern seinen Zukunftsplan: den Bau eines „rein“ türkischen Elektroautos.

Von sb
Erdogans Träume vom "Global Player" auf dem Automarkt
Elektroauto an der Stromzapfsäule (Foto: fotolia.com / Datei: #81097850 / Urheber: estations)

Vollmundig posaunte er: „Durch dieses Automobil, dessen gewerbliche Rechte komplett uns gehören werden, wird die Welt eine neue wettbewerbsfähige türkische Marke kennenlernen.“ Dabei geht es Erdogan nicht nur um dieses Modell, sondern darum, dass die neuimperialistische Türkei längerfristig in den weltweiten Konkurrenzkampf um die höchstprofitablen Automärkte einsteigen will.

 

Dem dient der Zusammenschluss von fünf türkischen Unternehmen zur TOGG (auf deutsch: Türkische Automobil-Initiative-Gruppe). Während deutsche Übermonopole wie VW, Daimler, BMW Massenentlassungen ankündigten, prophezeit Erdogan dazu die Schaffung von 4.300 neuen Arbeitsplätzen - verbunden mit nationalistischer Propaganda: „Unsere Ideen werden von unseren Ingenieuren umgesetzt.“

Erdogan will bröckelnder Massenbasis entgegenwirken

Die sozialchauvinistische Begründung seines nationalen Autoprojekts zielt auch darauf ab, seine bröckelnde Massenbasis wieder zu festigen. Die Türkei befindet sich in einer Wirtschaftskrise mit rund starken Rückgängen der Industrieproduktion zwischen 1,1 und 7,4 Prozent in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 (gegenüber dem Vorjahresniveau), 15 Prozent Inflation, steigenden Staatsschulden und wachsender Arbeitslosigkeit. Die türkische Lira verlor im letzten Monat weitere 3 Prozent an Wert.

 

Die Lage der Massen wird dadurch immer schwieriger. Dazu kommt die brutale Unterdrückung der revolutionären Kräfte und jeglicher demokratischer Opposition sowie des kurdischen Freiheitskampfs.

Konkurrenz um Weltmarktanteile verschärft sich

Die Strukturkrisen auf der Grundlage der Neuorganisation der internationalen Produktion, der Digitalisierung und der Umstellung auf E-Mobilität sind zusammen mit dem Übergang in eine neue Weltwirtschaftskrise die materielle Grundlage, auf der sich der Kampf um Weltmarktanteile unter den imperialistischen Ländern verschärft.

 

Das Auftreten eines weiteren Konkurrenten auf dem Weltautomobilmarkt wird diesen Kampf weiter zuspitzen, mit Folgen auch für die wachsende allgemeine Kriegsgefahr.

Türkei: modernes internationales Industrieproletariat

In der Broschüre „Über die Herausbildung der neuimperialistischen Länder“ weist Stefan Engel die Entwicklung der Türkei zu einem neuimperialistischen Land nach:

 

„Die Konzentration und Zentralisation des Kapitals in der Türkei hatte bis 2014 4.858 Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten geschaffen. ... 2016 gehörten zehn türkische Monopole zu den 2.000 größten der Welt. ... Die Türkei verfügt über ein modernes internationales Industrieproletariat, rund 400.000 sind in der Automobilindustrie bei 17 Herstellern und rund 4000 Zulieferunternehmen beschäftigt.“ Sie produzieren jährlich 1,7 Millionen Fahrzeuge.

Sozialchauvinistische Demagogie durchschauen

Es ist von strategischer Bedeutung, dass die Industriearbeiter jegliche sozialchauvinistische und nationalistische Demagogie durchschauen und sich für ihre Klasseninteressen organisieren. Die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz im Februar 2020 in Südafrika ist die richtige Antwort und ein bewusster Schritt dafür.

 

Hier gibt es alle Informationen über die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz