Geschichte des revolutionären 1. Mai

Der 1. Mai ist nicht nur ein Feiertag in vielen Ländern, sondern der Kampftag der internationalen Arbeiterklasse um ihre Rechte und für eine sozialistische Zukunft
Geschichte des revolutionären 1. Mai

Bombe bei der Streikversammlung auf dem Haymarket in Chicago

Die Entstehung des 1. Mai vor 132 Jahren war Ausdruck der beginnenden weltweiten Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Er zeigte von Anfang an, mit welcher Härte die Arbeiterklasse den Kampf um jede Verbesserung ihrer Lage gegen den Widerstand der Kapitalisten führen musste. Anfang 1886, als man noch zwölf Stunden pro Tag arbeitete, rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf. In Chicago reagierten die Fabrikbesitzer mit Massenaussperrungen. Sie hofften, stattdessen billige Arbeitskräfte unter den Einwanderern zu finden – was aber die gewerkschaftliche Solidarität vereitelte. Bei einer Versammlung während des Streiks am sogenannten Haymarket warfen Provokateure eine Bombe. Sie tötete mehrere Polizisten und viele Arbeiter. Der Staatsapparat nahm dies zum Anlass, mehrere Arbeiterführer zu verhaften und trotz nachgewiesener Unschuld fünf von ihnen hinzurichten.

Diese sogenannte Haymarket-Affäre legte den Grundstein dafür, dass die Gründungsversammlung der sozialistischen Internationale 1889 den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausrief.

Seither spiegelt der 1. Mai auch den ideologischen Kampf in der Arbeiterbewegung wider. Nachdem 1919 die bürgerlichen Parteien es abgelehnt hatten, ihn zum offiziellen Feiertag in Deutschland zu machen, waren es ausgerechnet die Hitler-Faschisten, die in ihrer Anbiederung an die Arbeiterklasse den 1. Mai zum Feiertag erklärten – allerdings nicht als Kampftag, sondern als „Tag der nationalen Arbeit“.

 

Kampftag oder Feiertag?

Während der 1. Mai in den ehemals sozialistischen Ländern als Kampftag begangen wurde, ist er für die reformistische Gewerkschaftsführung nur noch Feiertag. So schreibt die DGB-Webseite in ihrer Geschichte des 1. Mai: „Vom Kampftag zum Feiertag“1. An vielen Orten sah sich die DGB-Führung nur deshalb gezwungen, weiterhin 1. Mai- Demonstrationen zu machen – die sie eigentlich abschaffen wollte –, weil kämpferische Kollegen diese selbstständig organisiert hatten.

Dabei gibt es heute mehr Gründe denn je, den 1. Mai als Kampftag der Arbeiterklasse und der breiten Massen der Welt zu nutzen. Der weitere Rechtsruck der Regierung stellt auch heute wieder, wie beim „Haymarket“-Kampf 1886, den Kampf um die Verteidigung und Erweiterung der demokratischen Rechte auf die Tagesordnung – nicht zuletzt für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht, das es bis heute in Deutschland nicht gibt. „Der eingeleitete fortschrittliche Stimmungsumschwung tritt wieder stärker hervor“, stellt der Mai-Aufruf der MLPD fest. Dies muss sich auch am 1. Mai zeigen und in die Perspektive für den Sozialismus münden.

(pib)

1 http://www.dgb.de/themen/++co++d199d80c-1291-11df-40df-00093d10fae2

Aus dem Rote Fahne Magazin 9/2018 vom 27.4.2018


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