Tiefgehende Gespräche auf der Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse – als größte internationale Buchmesse - feierte nach einem Jahr Zwangspause durch die Corona-Pandemie und unter Beachtung der 3G-Regelung ihr Comeback in den Messehallen.

 

Frankfurter Buchmesse 2021

 

 

Gegenüber 2019 nahmen nur etwa ein Viertel der Aussteller und auch der Besucherinnen und Besucher teil. Dennoch spürte man eine gewisse Wiedersehensfreude und Aufbruchstimmung. Viele nutzten von Beginn an die Zeit für längere und tiefer gehende Gespräche. Das merkten wir auch an unserem Stand des Verlag Neuer Weg.

 

Hier stachen wir mit unserem Programm deutlich heraus und viele waren froh, uns getroffen zu haben. Unsere Lenin-Taschen, der Aufsteller zur Neuerscheinung „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“ von Stefan Engel sowie unser Verlagsbanner mit unserem Programm von fortschrittlicher, internationalistischer, antifaschistischer und marxistisch-leninistischer Literatur und ebensolchen Medien waren ein Blickfang und forderten heraus.

 

Die Lenin-Taschen waren gefragt, viele fanden sie klasse. Gerade weil sie polarisieren. Es zeigten sich große Sympathien für Lenin, trotz antikommunistischer Hetze. Manche Besucher beabsichtigten, Lenin ganz bewusst auf der Messe zur Schau zu stellen. Entgegen dem Vorgehen insbesondere größerer Verlage, Unmengen Material kostenlos an die Besucher abzugeben, argumentierten wir, dass der Verkauf zur finanziellen Stärkung unseres Verlages beiträgt, was viele überzeugte.

 

Im Mittelpunkt stand aber unsere Neuerscheinung „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“ von Stefan Engel. Hier hatten wir sehr viele interessante Gespräche. Manche Leute fühlten sich von der Gestaltung des Buchs und dem Titel bereits herausgefordert, lasen interessiert den Klappentext und nahmen Flyer mit, bevor wir sie überhaupt angesprochen hatten.

 

Angesprochen haben wir oft damit, dass die kapitalistische Gesellschaft nur noch Krisen produziert. Sei es jetzt die Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die Corona-Krise, die Umweltkrise oder die verschärfte Kriegsgefahr. Dass die Herrschenden aufgrund der Krise der bürgerlichen Ideologie den Menschen immer weniger Lösungsmöglichkeiten aufzeigen können, dass es zum Aufblühen faschistischer oder esoterischer Ideologien kommt; und jeder, der sich grundlegend Gedanken über dieses System macht, mit dem Antikommunismus konfrontiert wird. Damit muss man bewusst fertig werden. Eine Buchhändlerin aus Wiesbaden war sehr interessiert und aufgeschlossen, „denn schließlich brauchen wir Perspektive“.

 

Hier einige interessante Messesplitter:

 

  • Unsere ersten Gespräche waren mit drei Chinesen, meist auf englisch. Alle drei freuten sich, dass wir marxistisch-leninistische Schriften anbieten. Schnell stellten wir ihnen auch unsere einzige Schrift, die es in chinesischer Sprache gibt, vor: "Über die Herausbildung neuimperialistischer Länder" von Stefan Engel. "China ein neuimperialistisches Land?“, das war mehr als neu für sie. Sie waren erstaunt, denn gerade in China wird ja vorgegaukelt, es wäre noch sozialistisch. Natürlich stellten wir ihnen auch unsere Neuerscheinung vor. Einer war sehr daran interessiert. Dass Antikommunismus bei uns „Staatsreligion“ ist, konnte er sich nicht vorstellen. Aber dass der Sozialismus eine Perspektive hat, das schon. Die vorgestellten Titel wurden fotografiert und fürs Gespräch gab es ein „Thank you“.
  • Eine Autorin schaute erst sehr interessiert unser Angebot an. "Sie haben sehr politische Bücher". "Ja, von fortschrittlich bis marxistisch-leninistisch. Darf ich ihnen unsere Neuerscheinung 'Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus' vorstellen?“ Zuerst klärten wir, dass Ideologie die Weltanschauung ist. Und dass jeder eine hat – eben seine Sicht auf die Welt. Als wir das Buch weiter mit dem Kapitel der angeblichen „Ideologiefreiheit“ vorstellten, die die Menschen davon abhalten soll, sich mit einer Alternative zur bestehenden Gesellschaft zu befassen, spannte unsere Gesprächspartnerin den Bogen weiter. „Mit der Ideologiefreiheit nehmen sie uns die Bewusstheit! Aber das macht uns aus und das ist doch entscheidend – bewusst durchs Leben zu gehen!“. Sie nimmt gerne den Flyer zum Buch und sieht noch unsere Literatur zur Sowjetunion. Das interessiert sie, denn ihre Schwiegertochter kommt aus Russland. Sie will ihr gerne von Arkadi Gaidar „Der Mann mit dem roten Stern“ schenken.
  • Eine Gruppe junger Menschen geht vorbei. Wir fragen "Seid ihr eine Schulklasse?" "Ja, Buchhändler aus Stuttgart“. "Das ist ja super, dass ihr zur Buchmesse kommen könnt, in Frankfurt ist dass ja nicht so die Regel." Ein Junge kommt näher, schaut sich die Reihe Revolutionärer Weg genauer an. "Kennst du diese Buchreihe?" fragten wir. Er lächelt und schaut uns an "MLPD – die hab ich gewählt. Aber bisher kenn ich keinen davon". Wir stellen uns als der Verlag vor, der die Schriften der MLPD herausgibt. Und natürlich auch das System Revolutionärer Weg. Er ist richtig ein bisschen aufgeregt, uns kennenzulernen. Er nimmt den Prospekt zum System Revolutionärer Weg mit und die Adresse der MLPD in Stuttgart.
  • Zwei acht- und zehnjährige Kinder mit Mutter kamen an den Stand und kauften voller Stolz das "Kommunistische Manifest" und "Worte des Vorsitzenden" von Mao Zedong. Auf die Frage, warum sie sich darüber so gut auskennen, antworten sie, dass sie einen großen Bruder haben, der Kommunist sei.

 

Wir hatten viele interessante und wichtige Diskussionen in diesen Messetagen, so zum Beispiel über die Rolle der Arbeiterklasse und gegen eine postmodernistische Vorstellung, die ihre Existenz in Frage stellt. Über den Unterschied zwischen kapitalistischer und sozialistischer Wirtschaft. Wie funktioniert im Sozialismus Innovation? Gibt es ein unbegrenztes Wachstum? Wie könnten Sozialleistungen finanziert werden? Welche Rolle hat der Staat im Kapitalismus und welche im Sozialismus, und worin unterscheiden sie sich? Gibt es vielleicht einen dritten Weg, um das beste aus dem Kapitalismus und Kommunismus zusammenzubringen? Nein, den gibt es nicht. Aber es gibt die vollständige materielle Vorbereitung des Sozialismus in der kapitalistischen Gesellschaft, die revolutionär überwunden werden kann und muss.

 

Wir sind mit dem Ergebnis der Messe zufrieden. Wir verkauften zahlreiche Ausgaben des REVOLUTIONÄREN WEG 36, viele Klassikerschriften und Titel des Verlages. Und hatten mehr Umsatz als in den letzten zehn Jahren auf der Frankfurter Buchmesse.

 

Die Frankfurter Buchmesse spiegelte die aktuellen gesellschaftlichen Debatten wider. So Themen wie Antirassismus und gegen Diskriminierung. Jedes Jahr wieder versuchen auch faschistische Verlage die Messe als Bühne zu nutzen und ihre Propaganda zu verbreiten. Jedes Jahr gab es aber auch mannigfaltigen Protest von Verlagen, Autoren und Besuchern. In diesem Jahr trat erstmals der faschistische Verlag "Jungeuropa",  sowie das faschistische Öko-Magazin "Die Kehre" in Erscheinung. Beides Verlage, die aus der faschistischen "Identitären Bewegung" und der "Neuen Rechten" kommen.

 

Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, meint, "dass Meinungsfreiheit nicht über die vom Staat gezogenen Grenzen hinaus eingeschränkt werden" könne. Das heißt, wenn der Staat nichts gegen Faschisten unternimmt, dann muss man das so hinnehmen? Notwendig ist hier die Forderung nach Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda, das heißt eben auch ihrer Verlage.

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